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Hintergrundwissen zu Elfenbein und Mammut

Als Elfenbein bezeichnet man in der Regel die Stoßzähne der Rüsseltiere wie Elefant, Mammut und Mastodon, die sich durch ihre Struktur zu Elfenbein Ersatzstoffen wie Flusspferd, Walross, Narwal, Pottwal, Knochen oder der Taguanuss eindeutig unterscheiden.

Die typische netzartige Maserung weist nur das Elfenbein der Rüsseltiere auf. Dieses unterscheidet sich durch Anordnung der sich kreuzenden Linien. Diese, auch Retzius´sche oder Schreger'sche Linien genannte Struktur zeigt verschiedene Schnittwinkel, die der Kenner mit bloßem Auge erkennen kann.

Folgende Daten gelten als Richtwerte:
Elfenbein Winkel 100 - 120 Grad
Mammut Winkel 80 - 90 Grad
Mastodon Winkel 140 - 150 Grad

Weitere Unterschiede bestehen beim spezifischen Gewicht, sowie gelegentlich bei der Farbe des Materials.

Elfenbein ca. 1,7-1,85 gr./cm3
Mammut ca. 2,0-2,2 gr./cm3

Bei detailliert beschnitzen Stücken ist die Struktur häufig nicht einwandfrei zu erkennen. Hier bieten sich spezielle Untersuchungsmethoden der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz an, die inzwischen als offizielles Referenzlabor des Bundesamts für Naturschutz anerkannt wurde.


Elfenbein Querschnitt
Elfenbein Querschnitt
Elfenbein Querschnitt Details
Elfenbein Querschnitt Details

Moderne spektroskopische und massenspektrometrische Untersuchungsmethoden, sowie die IR-Reflexion-Spektroskopie oder die Laser-Ablations ICP-MS erkennen zweifelsfrei die Herkunft des Materials und lassen sogar eine Unterscheidung zwischen afrikanischem und indischem Elfenbein zu. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Informationsseiten der Uni Mainz.

Elfenbein des Elefanten darf heute nur noch mit entsprechender Genehmigung verarbeitet werden. Es handelt sich hierbei ausnahmslos um Altbestände die vor Inkrafttreten des Artenschutzabkommens nach Deutschland eingeführt wurden. Da in Deutschland bereits seit Mitte der 70er Jahre ein Legalitätsnachweis erbracht werden musste, ist die Ausnahmegenehmigung nur für nachweislich legale Importe möglich. Eine entsprechende Buchführungspflicht (Aufnahme- und Auslieferungsbuch nach § 8 Bundesartenschutzverordnung) für Elfenbein, die sowohl die Entnahme (Zuschnitt) als auch die gefertigten Stücke, sowie die daraus entstandenen Abfälle oder Staub erfasst, dokumentiert die lückenlose Herkunft des Materials. Massenprodukte aus Elfenbein werden heute nicht mehr hergestellt, vielmehr verwenden wir die vorhandenen Vorräte sorgsam für Einzelanfertigungen sowie Restaurationen und den Erhalt antiker Stücke.


Mammut Querschnitt
Mammut Querschnitt
Mammut Querschnitt Details
Mammut Querschnitt Details

Obwohl schon immer große Mengen der eiszeitlichen Stoßzähne im nördlichen Russland und Jakutien gefunden wurden, war das Elfenbein des Elefanten aufgrund seiner Beschaffenheit und des günstigeren Preises seit jeher begehrter. Erst mit Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens zum Schutz des Elefanten im Oktober 1989 erhielt das Mammut plötzlich einen komplett neuen Stellenwert. Schon vor Inkrafttreten des Artenschutzabkommens reiste Innungsobermeister Jürgen Schott mit seinem Kollegen im Auftrag der Elfenbeinstadt Erbach und der Drechsler- und Elfenbeinschnitzer-Innung in das damalige Leningrad um über Lieferbedingungen eiszeitlicher Mammut-Stoßzähne zu verhandeln. Schließlich wurde die erste Tonne Mammut-Elfenbein bestellt. Im März 1990 traf diese dann in der Elfenbeinstadt Erbach ein und erregte damit überregionales Interesse bei Funk und Fernsehen.

Weitere 2-3 Jahre waren nötig um das bereits über 10.000 Jahre alte Material mit seinen Verwitterungsspuren und dem damit verbundenen eigenwilligen Verhalten bei der Bearbeitung in den Griff zu bekommen. Die heutigen Stücke sind inzwischen perfekt in Gestaltung und Verarbeitung und erinnern nicht im geringstem an die ersten Versuche, dieses alte Material zu neuem Leben zu erwecken. Die Bearbeitung dieses faszinierenden Materials ist eine ständige Herausforderung und fasziniert bei der Oberflächenbehandlung immer wieder mit wunderschönen Naturfärbungen und Strukturen. Diese machen jedes Stück zum unverwechselbaren Unikat. Das Mastodon bildete vor ca. 30 Mio. Jahren eine eigene Gattung weit vor den Mammuts, starb aber ebenso mit Ende der letzten Eiszeit aus. Hiervon gibt es nur wenige Funde, diese werden in der Regel auch nicht verarbeitet.


Mastodon Querschnitt
Mastodon Querschnitt
Mastodon Querschnitt Details
Mastodon Querschnitt Details

In der heutigen Zeit werden leider immer wieder Arbeiten aus Bein (Rinderknochen vorwiegend aus Argentinien) oder schlechten Imitationen aus Kunstoffen angeboten. Mehr oder weniger erfolgreich wird versucht, die Elfenbeintypische Maserung nachzuahmen. Selbst komplett "gravierte Pottwalzähne" aus Gießharz werden zu teilweise horrenden Preisen angeboten. Leider sind für den Laien solche Angebote nur sehr schwer zu erkennen. Auch die weit verbreitete Meinung, Elfenbein und Kunststoff mittels Feuerzeug unterscheiden zu können ist nicht zutreffend, zumal ein Händler eine echte, kostspielige Arbeit nicht der Flamme und somit dem Risiko einer Beschädigung aussetzen würde.

Als eingetragener Handwerker gehören wir der Drechsler- und Elfenbeinschnitzer Innung Odenwald an, deren Obermeister Jürgen Schott gleichzeitig Inhaber der gleichnamigen Elfenbeinschnitzerei ist. Außerdem sind wir Mitglied im Deutschen Elfenbeinverband, deren Mitglieder an die Einhaltung des Washingtoner Artenschutzabkommens gebunden sind.



Bitte beachten Sie:
Nach wie vor besteht ein Einfuhrverbot für Elfenbein. Nur gemeldete und freigegebene Bestände dürfen innerhalb der EU gehandelt werden. Bei den abgebildeten Stücken handelt es sich ausschließlich um registrierte Altbestände. Wegen Verarbeitung oder Zwischenverkauf kann nicht garantiert werden, dass diese Artikel ständig vorrätig sind.

Wir kaufen und verkaufen Elfenbein-Zähne ausschließlich mit Cites bzw. EG-Bescheinigung (PDF) mit Befreiung vom Vermarktungsverbot. Unsere sämtlichen Elfenbein-Vorräte haben den Legalitätsnachweis erbracht. Die Befreiung zur Vermarktung von Elfenbein wurde erteilt durch Bescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 30.01.1990.



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